Gute Nachricht: Kunst ist überall!

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Hochsommer in Berlin, 13 ° Celsius und drei Tage Dauerregen. Trotzdem muss ich unterwegs sein und was erledigen. Umsteigen am U-Bahnhof Yorckstraße, und mit einem Mal stehe ich vor einer hübschen Überraschung in all dieser Tristesse. Kunst ist überall verkündet mir ein Plakat. Toll, Beuys lebt! ist mein erster Gedanke. Der zweite: Wer will mir da was verkaufen? Also gucke ich genauer hin. Irgendwie hat das ganze mit Rauchen zu tun und mit Berlin. Und wohl ja auch mit Kunst. Aber wie? Und um was soll ich mich bewerben? Darf ich selbst eines meiner kreativ-im-öffentlichen-Raum-Projekte realisieren? Ich fotografiere das Plakat mit der kryptischen Webadresse www.pdlc.de und fahre weiter. Der Sache werde ich später auf den Grund gehen.

Inzwischen weiß ich, wofür PDCL steht: place de la créativité – die Stadt als öffentlicher Raum für Kreativität. Ein schöner
Gedanke (warum nur erinnere ich mich plötzlich an meine gänzlich unkreativen Begegnungen mit dem Berliner Ordnungsamt?). Ich bin neugierig geworden, also schaue ich mir die Website gründlich an. Einfach zusammengefasst geht es um Folgendes: Die Marketingstrategen von Gauloises haben sich einige Events rund um das Thema Street-Art ausgedacht. Bekannte Größen der Street-Art-Szene wie Jan Kage alias Yaneq, Christian Awe oder Jaybo Monk sind ebenso mit von der Partie wie die Circleculture Gallery in der Gipsstraße. Bewerben kann ich mich um die Teilnahme an einem der geplanten Stadtrundgänge, die sich alle im etablierten Rahmen der Szene bewegen. Schade, meine Phantasie von einem weit gefassten Begriff der Kreativität im öffentlichen Raum finde ich hier leider nicht wieder. Aber spannend könnte es ja sein, darum klicke ich auf den Link Hier geht es zum Bewerbungsformular. Da erscheint mit zunächst alles normal, schließlich muss ich angeben, wie ich erreichbar bin, wenn ich gewonnen habe. Warum wollen die wissen, was ich bevorzugt rauche? Die  Angabe ist freiwillig, und ich sage mir, dass es schließlich nicht schlecht sein kann, wenn große Unternehmen einen Teil ihres Werbeetats in Kunst und Kultur investieren. Aber das Bewerbungsformular ist noch nicht zu ende. Weiter geht es damit, dass ich mich einverstanden erkläre, dass die Firma Reemtsma meine Daten zum Zweck der Identitätsüberprüfung (hä?? Preisausschreiben!!) mit der Schufa abgleicht. Jetzt bin ich mehr als irritiert. Ich möchte weder einen Kredit beantragen noch eine Wohnung anmieten. Ich bewerbe mich bloß um einen kostenlosen Stadtrundgang in Sachen Kunst, den ich dann gewinne oder nicht. Die Lust darauf ist mir jetzt komplett vergangen. Da ziehe ich lieber alleine durch meine Stadt und finde ganz für mich vielfältige Anzeichen dafür, dass die Menschen, die hier leben, kreativ ihren Raum mitgestalten. Zum Beispiel finde ich eine Art Wandzeitung, die mir eine Geschichte erzählt, Graffiti, ein Auto, das mir gleich mehr über Kunst erzählt, eine Schatzkiste, kleine Tierchen und noch viel mehr. Während ich so umherlaufe, freue ich mich, in einer Stadt zu leben, in der viele Menschen ihrer Fantasie freien Lauf lassen und das auch in die Öffentlichkeit tragen. Street-Art in einer Galerie, gesponsort von einem Konzern, erscheint mir mit einem Mal wie ein Vogel im Käfig. Ich weiß, warum ich nicht gerne in den Zoo gehe.

2 Responses to 'Gute Nachricht: Kunst ist überall!'

  1. Tom sagt:

    hallo,
    zumindest bin ich nicht der einzige, der sich an diesem anmeldevorgang stösst. habe bereits eine facebook page zum abstimmen errichtet. mal sehen, ob noch jemand gegen solche Datensammlungen ist.

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